Die Angst des Menschen vor Krankheit, Tod oder Schädigung durch geheimnisvolle Mächte hat in jeder Kultur zur Herstellung von Amuletten und anderen magisch-religiösen Schutzmitteln geführt. Sie zählen zu den aussagekräftigsten Zeugnissen religiösen Denkens. Da keine Religion das Amulettwesen ausrotten kann, muß es umgedeutet und in die religiösen Kulte integriert werden. So gelangt der magische Abwehrzauber in den Nischen christlicher und islamischer Volksfrömmigkeit zu neuer Entfaltung.
Zu den ältesten Amulettformen gehört das Dreieck als Symbol der weiblichen Fruchtbarkeit.

Die Hand als Abwehrzauber findet sich schon in jungsteinzeitlichen Höhlenmalereien. Juden gilt sie als die Hand Gottes; Orientalischen Christen als die Hand der Maria; Moslems als die Hand der Fatima, der Lieblingstochter des Propheten.
Fischförmige Amulette sollen Frauen und Kinder vor dämonischen Einflüssen schützen.
Bei Ohr- und Halsgehängen kommt die Mondsichel besonders häufig vor.
Weil der "böse Blick" im Orient vor allem Blauäugigen zugeschrieben wird, sind blaue Glassteine beliebt. Amulette sind fast immer aus Silber, da sie dem Mond zugeordnet werden.
Den unteren Abschluß eines Amuletts bilden häufig Glöckchen, deren Klang die Geister vertreiben soll. An Fraisketten des Alpenraumes hängen oft kleinformatige Nachbildungen von Feuerwaffen, Hämmern, Messern, Keulen oder "Hackeln". Durch diese Kombination von technischem und magischem Denken wird größtmögliche Wirksamkeit angestrebt.
Die klassische Form des Amuletts ist das Behältnis, das heilige Texte, Schutzgebete oder kleine Devotionalien enthält. Amulette tendieren dazu, sich zu Schmuckstücken zu wandeln, wobei die ästhetische Komponente immer mehr in den Vordergrund tritt. Schmuckstücke zeigen außerdem die ethnische, kulturelle und religiöse Zugehörigkeit ihrer Träger und geben Auskunft über deren soziale und wirtschaftliche Stellung. Der frühbyzantinische Schmuck, im 7. Jh. in den von Arabern eroberten Provinzen verbreitet, wird zur Grundlage für das traditionelle Schmuckwesen des gesamten islamischen Raumes
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