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Durch
die Darstellung von Göttern in menschlicher Gestalt wird die
Menschendarstellung immer mehr enttabuisiert. Anteil an dieser Entwicklung
hat insbesondere die Darstellung von Nebengöttern, Begleitfiguren,
Priestern und anderen religiösen Funktionsträgern, die
irgendwann zu eigenständigen Bildthemen werden. Namentlich
der Bodhisattva-Kult Ostasiens, in den viele Teile der alten Tao-Religion
einfließen, bereitet dem Menschenbild den Boden.
Das
Weltbild der Griechen in Kleinasien zeigt erstmals den Verstand
als geistige Vormacht: Der Mensch ißt vom "Baum der Erkenntnis".
(In allen Mythen gilt dieser Augenblick als ein unheilvoller und
führt gleichsam zur Vertreibung aus dem Paradies!) Der apollinische
Mensch tritt auf, als Vorläufer des rationalistischen.
Während der Ägypter noch gefesselt ist von seinen Göttern
und der Idee der Unsterblichkeit, greifen Griechen und Römer
kaum über ihre Lebenssphäre hinaus. Der Mensch selbst
trägt die Welt (Atlas, Karyatide, Kore), nimmt ihr Gewicht
auf sich. Ausdruck dieses neuen Lebensgefühls ist die griechische
Säule. Und der Mensch, der die Welt zu schultern bereit ist,
wird zum Erfinder der Tragödie. Im Rahmen eines Spiels wird
das Drama von Göttern, Welt und Menschen nachempfunden.
Aus den einst kultisch gedachten "Reinigungen" wachsen
sittliche Forderungen und ethische Strukturen. An die Stelle der
Handlung treten Wort und Schrift. Die Vorherrschaft des Verstandes
ist eingeleitet.
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