Durch das allmähliche Schwinden des intuitiven, schauenden Wissens verlieren die Mythen ihren bildhaften Charakter. Didaktisch ausgebaut, sind sie nicht mehr Schau, sondern schon Ideologie. Der Mythos beansprucht jetzt, auch nach weltlichen Maßstäben wahr zu sein. Als Ausweg aus der Beweisnot wird das Dogma als Mittel priesterlichen Machtanspruchs etabliert.

Die Kunst tritt in den Dienst geschlossener Weltbild-Systeme. Sie wird von theologischen Absichten überlagert und an ikonographische Regeln gebunden. Der Transfer religiöser Bedeutungen erfolgt durch Bilder, Gleichnisse, Schriftzeichen oder Symbole.
Die Magie wird in Mystik transformiert. An die Stelle der Beschwörung tritt die Versenkung. Im Zentrum der Kulte stehen immer noch: Sterblichkeit, Fruchtbarkeit, Nahrungsbedürftigkeit. Die rituelle Handlung erscheint als "performance", als kunstvolle Darbietung und sakraler Gegenentwurf zur Alltagswelt. Im Vergleich religiöser Rituale zeigt sich eine kulturübergreifende "Syntax der reinen Handlung". Alle diese Zauberhandlungen sind Wiederholungsakte, deren mythische Vorlagen verblaßt sind und die deshalb mit neuen, zweckrationalen Erklärungen versehen werden.
Die Beziehung zur Gottheit wird wie in magischen Zeiten durch das Opfer hergestellt: "Ich gebe, damit du gibst". Wie schon beim Gedächtnismahl zu Ehren des Dionysos ist im christlichen Mahl der Opferaspekt zur Nahrungskommunion und Vereinigung mit Gott stilisiert. Wenn das christliche Opferbrot in mehrere Teile zerbrochen wird, so wird damit das Zerlegen der einstigen Opfertiere aus heidnischen Kulten nachgeahmt.