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Im
Mittelpunkt der Mythen stehen fast immer Tiere, denn die abstrakte
Gottheit muß in begreifbarer Gestalt handeln. So fällt
den Tieren die Rolle von Gottheiten, Kulturbringern, Beschützern,
Seelenführern u. ä. zu.
In
den großen Religionssystemen erhalten die Tiere als Träger
von Gottesvorstellungen bestimmte ikonographische Funktionen. Als
Attribute sind sie fast überall anzutreffen. Mischgestalten,
Zwitterwesen und Monster begegnen uns als Abbilder menschlicher
Urängste und Begierden. Immer sehen wir das Tier als Teil der
kosmischen Weltordnung in eine untrennbare Verbindung mit dem Menschen
gestellt.
Griechen und Römer sind hauptsächlich an der menschlichen
Figur interessiert. Dennoch beginnt in hellenistischer Zeit die
Darstellung des Tieres als unabhängiges Sujet: Anstelle verallgemeinernder
Wiedergabe treten detaillierte und realistische Bildwerke.
Tiervisionen durchziehen auch das Denken der Christen bis ins Hochmittelalter.
Die Kirche wird Protektor der furchterregenden Bestiarien, da sie
erkennt, wie tief der magische Tierstil im Unterbewußtsein
der Völker verankert ist. Erst nach 1200 büßt das
Tierbild im Abendland seine Bedeutung ein: Das "Denken im Tier"
ist überwunden. Die Tiersprache der christlichen Kunst verändert
sich grundlegend.
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