In Stammesgesellschaften glaubt man, daß Menschen und Götter in direkter Linie verwandt sind. Daraus resultiert die Verehrung der Vorfahren im Ahnenkult. Die Ahnen wachen über Sitte und Brauch, ihr Zorn gilt als Ursache vieler Leiden. Bei den Bitt- und Versöhnungsritualen dient eine Ahnen- oder Geisterfigur als bildliche Darstellung des Verstorbenen, häufig auch eine Maske.

Die Maskenträger treten in festlichen Tänzen, bei Beschwörungen, Jagdzauber und Riten der Initiation auf, wobei sie den Dargestellten ganz und gar verkörpern. Die afrikanische Skulptur ist nicht illusionistisch, sie wird real aufgefaßt. Das Bildwerk eines afrikanischen Ahnen ist nicht die Erinnerung an diesen, sondern dieser selbst: Der Tote weilt unter den Lebenden dank der Kunst! Tiermasken appellieren an die Kraft der gesamten Tiergattung und sind totemistisch zu verstehen.
Hauptanlaß für Maskentänze ist die Initiation, die Einführung in eine neue Lebensphase. Wie Geburt, Heirat und Tod löst vor allem die Adoleszenz eine Statusverunsicherung aus, die man rituell zu bewältigen sucht. Reifezeremonien sind eine Wiederholung des mythischen Urzeitgeschehens und somit ein Akt des Gehorsams gegenüber der Weltordnung. Die pädagogische Funktion liegt im Erlernen neuer Rollen.