WAS IST DER MENSCH?
ZURUF AUS DEM SPERRGEBIET
Essay von Peter Coreth
Früher zog ich lieber Philosophen, Religionswissenschaftler, Anthropologen und andere Fachleute zu Rate. Inzwischen habe ich mir angewöhnt, auf der Suche nach den Konstanten des Menschseins hauptsächlich Kunstwerke zu befragen. Sie gelten mir als die zuverlässigsten Zeugen für das wechselvolle Selbstverständnis des Menschen im Universum. Nichts spiegelt die Grundfragen unserer Spezies zuverlässiger wider als bedeutungsvermittelnde Kunstwerke und Artefakte. Über zehntausende Jahre hinweg gewähren sie uns Einblick in Weltbild und Lebensweise ihrer Hersteller, ohne je geschwätzig zu sein.
Deshalb habe ich vor etwa 60 Jahren begonnen, Kunst zu sammeln. Das kam so: Ich steckte damals in einer Lebenskrise, wusste nicht, wie es mit mir weitergehen sollte. Nach fünf Jahren als außenpolitischer Redakteur der „Salzburger Nachrichten“ war ich in einem Mansardenzimmer in London gestrandet. Dort wurde mir bewusst, dass ich nicht in mein altes Leben zurückkehren würde. Es war mir unmöglich geworden, auf Ereignisse der Weltpolitik mit den gewohnten Sätzen zu reagieren. Ich suchte nach etwas Authentischem, wollte mich in einem anspruchsvolleren Umriss sehen. Die Welt als Information interessierte mich immer weniger, jetzt war ich hinter ihrem Geheimnis her.
Wer war ich eigentlich? Und wer waren die anderen? Worauf beruhte dieses seltsame, nie enden wollende Getriebe ringsum, das mich sprachlos und somit berufsunfähig gemacht hatte? Wochenlang streunte ich durch die Museen auf der Suche nach Orientierung. Erstmals machte ich die Entdeckung, dass Kunstwerke zu mir sprachen. Ich fühlte deutlich, dass sie mich betrafen, obwohl ich fast nichts über sie wusste! Es mag seltsam klingen, aber meine Ängste und Zweifel, meine Wut auf die Verhältnisse, mein Einzelgänger-Stolz, all meine verdrängten Träume und Sehnsüchte – sie traten mir auf einmal aus den Kunstwerken entgegen. Der romanische Pantokrator in seiner erratischen Frontalität, der lässig entspannte Bodhisattva aus der Tang-Dynastie, der Keulen schwingende Nagelfetisch aus den Savannen Afrikas oder der mit Trommel und Rasseln bewaffnete mongolische Schamane: Hier standen sie mir auf Augenhöhe gegenüber wie die nackte Lilith, die mich herausfordernd ansah, rasend in ihrer Teilnahme am Irdischen. Ich war nicht allein: Ob Götter- oder Menschenbilder – in beiden fand ich Aspekte meiner eigenen Natur, verwegene Antworten auf das Rätsel menschlicher Existenz. Mit ihnen an meiner Seite würde mich nichts mehr an meiner Menschwerdung hindern!
Damals dachte ich oft: Was würde es für unser gesellschaftliches Gefüge bedeuten, könnten diese ergreifenden mythologischen Bildkräfte tatsächlich in uns wirksam werden? Weil sich Kulturen erst im Vergleich miteinander erschließen, wollte ich ihre sinnstiftenden Wahrheiten nicht wortwörtlich nehmen oder gegeneinanderstellen, vielmehr suchte ich in ihrer scheinbar widersprüchlichen Vielstimmigkeit den gemeinsamen Grundton zu vernehmen. Ein Mythos teilt sich nicht in Begriffen und Definitionen mit, vielmehr in Bildern, Gleichnissen, Entsprechungen.
Ich schmökerte in den Antiquariaten von Covent Garden, entdeckte Kupferstiche, die das opus magnum der Alchemisten auf der Suche nach dem Stein der Weisen illustrierten. Darin sah ich eine Metapher für meinen neuen Zugang zur Welt. Marsilio Ficino war schon im 15. Jahrhundert einer Matrix verschiedener Weltbilder, die er „Urwahrheit“ nannte, auf der Spur gewesen. Die Kirche freilich, die sich von jeher als die einzig legitime Vermittlungsinstanz zum Heil verstand, konnte mit einer Öffnung und Verschmelzung von Weltbildern keine Freude haben, waren doch alle Glaubensdinge von der Machtfrage durchwirkt.
Auf meiner Fensterbank standen die ersten antiken Gegenstände, die ich - einem unklaren Impuls folgend - aus meinen Ersparnissen gekauft hatte: Kultfiguren, Tierstatuetten, rituelle Gerätschaften, Amulette, Insignien der Macht ... Ich versuchte irgendwie, eine Beziehung mit ihnen aufzunehmen. Mich reizte der anarchische Alleingang, die imaginäre Zwiesprache mit Menschen, die z. B. ein neolithisches Tongefäß mit einem rätselhaften Ritzmuster versehen hatten. Hielt ich dieses Gefäß in Händen, wusste ich mich unversehens mit Menschen aus der Jungsteinzeit verbunden. Das setzte ein Feuerwerk von Fragen in Gang. Es drängte mich, eine Zeitbrücke zu schlagen, den Zusammenhang zwischen mir und jenen frühen Töpfern zu erfassen, das Gemeinsame freizulegen, das uns über Jahrtausende verband.
Getrieben vom Eros des Aufspürens und der Entschleierung, fasziniert vom haptischen Erleben, ließ ich mich auf die Märkte hinaustreiben. Dabei fühlte ich die Erleichterung des Streunenden, der aufgehört hat, etwas werden zu wollen. Ich sah plötzlich Dinge, die sich denjenigen verschließen, die streben und wirken. Das Fremdsein in der uferlosen Stadt, in der Welt überhaupt, tat weh. Ich war 27, arbeitslos und ohne Krankenversicherung, aber auf eine sonderbare Weise stolz auf mich: Der Absturz war mir geglückt. Und ich hatte begonnen zu sammeln!
An den Kachelwänden der U-Bahn-Stationen fand ich mit Filzstift gekritzelte Kassiber, Manifeste menschlicher Sinnsuche und Heilsbedürftigkeit. Da gab es die Graffiti der Rastafa, der Neo-Druiden, der Hare-Krishna-Jünger, der Rosenkreuzer und anderer Suchender, dazwischen Inserate von Dirnen, ein irrwitziges Panoptikum. Der Anprall der Verheißungen war so heftig, dass ich fürchtete, ihm nicht gewachsen zu sein. Ich notierte Telefonnummern, versuchte Botschaften zu dechiffrieren. So irrte ich durch einen Wald von Zeichen. Hier unten befand sich gewissermaßen der lebendige Stoff, aus denen die Kunstwerke gemacht waren, die man dort oben in den bewachten Prunkräumen der Museen zur Schau stellte. In den Schächten der London Transport verstand ich plötzlich, dass Kunst keine Verzierung war, kein Schnörkel, um unser unergründliches Leben zu dekorieren. Kunst war Konfrontation mit der Endlichkeit, war rasende Daseinsbewältigung, aufwiegelnd und auf schwer begreifliche Weise unentrinnbar. Sie kam über mich wie eine Initiation.
Seit jenen fernen Londoner Jahren erwarte ich von jedem Kunstwerk vor allem das eine: dass es mich vor ein Rätsel stellt, aus dem mir eine noch unbekannte Lebensmöglichkeit erwachsen könnte. Sammeln ist für mich immer eine Sinnsuche gewesen. Kunstwerke sind stofflich, konkret, greifbar, aber zugleich Annäherungen an das Unbegreifliche. Oft waren sie der einzige Halt, auf den ich zurückgreifen konnte – und sei es inmitten einer schlaflosen Nacht, wenn mir meine Unzugehörigkeit im Kopf dröhnte.
Es zählt zu den ältesten Erfahrungen der Menschheit, dass Leben in der Gegenwart die ständige Verbindung mit der Frühzeit voraussetzt. Über lange Zeiträume hat man dem vorher Dagewesenen ontologisch Priorität zuerkannt und das aus ihm Hervorgegangene geringer geschätzt, war es doch weiter vom Ursprung entfernt. Das schien unseren Begriff von Fortschritt auf den Kopf zu stellen. Auch der Ahnenkult von Stammesgesellschaften beruhte auf ebendieser Vorstellung einer zu den Anfängen zurückreichenden Verwandtschaftslinie, die es unbedingt zu erhalten gilt, um drohendes Unheil abzuwenden.
Die Erneuerung dieser Verbindung mit dem Ursprung ist von jeher die Aufgabe der Schamanen und Mythenerzähler gewesen. Durch ihre kreative Art des Erinnerns wurden sie zu den eigentlichen Bewegern des Gemeinwesens. Im Zentrum von Mythos und Kultgeschehen stand immer die Vergegenwärtigung der Ursprungssituation.
Was man das „Urgeheimnis“ nannte, war von den Jägergesellschaften auf die frühen Bauernkulturen übergegangen, fand Eingang in die alten Schriften Chinas, Indiens, Persiens oder Ägyptens, seine Symbole wurden auf Papyri und Tontafeln weitergegeben. In der Antike vertrauten es die Mysterien-Schulen ihren Initianten unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit an, auf Verrat stand die Todesstrafe. Bei diesem Wissen handelte es sich um winzige Reste eines alten Erfahrungsguts, einer in Vergessenheit geratenen Weltsicht, die aus magischen Zeiten stammt und mit dem Begriff Natursichtigkeit nur mangelhaft bezeichnet ist. Die indische Kunst verwendet dafür das Symbol des dritten Auges (Stirnauges). Die Griechen, zwischen Rationalität und Mysterienspiel schwankend, stellten beides in den Dienst der Selbsterkenntnis.
Ein wirkmächtiges Kompendium mythischen Geheimwissens aus dem hellenistischen Alexandrien ist beispielsweise die Tabula Smaragdina des legendären Hermes Trismegistos, den man mit Thot, dem ägyptischen Gott der Gelehrsamkeit, identifizierte. Im Mittelalter aus dem Arabischen ins Lateinische übersetzt, sorgte das symbolische Analogiesystem der Smaragdtafel für einige Aufregung im Abendland. Hier waren kirchliche wie weltliche Machthaber jahrhundertelang bestrebt, gnostisches Wissen unter Verschluss zu halten, damit es nicht zur Waffe in den Händen Unbefugter werde: Die Sprengkraft der Überlieferung hätte allemal ausgereicht, die bestehenden Ordnungen zu gefährden. Wo immer Einzelne sich dieser Kenntnisse zur Selbstermächtigung bedienten, entstanden Turbulenzen, die durch Repression niedergehalten wurden.
In unserer heutigen Gesellschaft ist diese Art von Repression überflüssig geworden: Unsere von sogenannten Sachzwängen bestimmten Lebensformen und der mediale Ausstoß vorgefertigter Denkmuster sorgen ganz von selbst dafür, dass Sinnfragen kaum noch zum Zug kommen. Eine dem Hedonismus als Geschäftsmodell verpflichtete Massenkultur stellt mit geistlosen Spektakeln sicher, dass die Leute dahin und dorthin kommen, bloß nicht zu sich! Die Speisen auf den Tischen der Kunst erinnern oft nur noch entfernt an Nahrungsmittel. Auch in der Kunstszene ist der Gaumenkitzel zum Leitgedanken avanciert: Man goutiert und knabbert ohne eigentlichen Hunger, als wollte man die Idee des Essens persiflieren. Das modisch garnierte Häppchen, das man sich aus der Überfülle des Büffets nahezu beliebig erwählt, entspricht erschreckend genau vielen Kunstprodukten und ihrer Rezeption. Am Ende hat man gegen die Langeweile schnabuliert und ist dabei völlig leer geblieben.
Wie die geheimnisvollen geometrischen Zeichen auf Felsbildern und Kulthölzern der Eiszeit durch Nachahmung und allgemeinen Gebrauch allmählich zum profanen Ornament und schließlich zur bloßen Verzierung verkommen sind, die sich nicht mehr dechiffrieren lässt, so steht es auch mit unserem kulturellen Bedeutungstransfer nicht zum Besten. Die Postmoderne etwa kennt das Erhabene nur noch als Verballhornung oder ironische Anspielung, und man merkt es den Zitaten oft an, dass der Urtext nicht mehr geläufig ist. Der Portikus, durch den wir unseren Einkaufswagen schieben, verweist eben nicht mehr auf Himmlisches, bedeutet nicht mehr Elevatio, nicht mehr Pfauenrad, nicht mehr Himmelsgewölbe. Das geistige Fundament, auf dem ein solcher Bogen ruht, ist nur noch ein Werbespruch wie „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein“. Wir haben verlernt, die verborgene Bedeutung der Dinge, ihrer Formen, Farben oder Materialien zu lesen. Nichtsdestoweniger blüht die Kunst, mit ihr die Eitelkeit und – ganz im Stillen – blüht die allgemeine Ratlosigkeit.
Ich glaube, die Nutznießer dieser Entwicklung zu kennen und ahne, weshalb man uns im Belanglosen fast ersticken lässt, während das Wesentliche, uns fundamental Betreffende, konsequent an die Ränder unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit abgedrängt wird, von wo es diese nicht mehr durchdringen kann. Ja, es gibt dieses Sperrgebiet noch immer, von dem man uns so fürsorglich fernhält. Und es beginnt genau dort, wo wir das Feld der uns zugedachten Nützlichkeit und Idiotie verlassen. An uns läuft eine sanfte Dressur ab, die das Ziel hat, uns von den Ursprüngen abzukoppeln. Das Bewusstsein unserer Herkunft soll getilgt werden, damit wir unbelastet die Vorgaben einer globalisierten Ökonomie erfüllen können. Die großen geistigen Weltentwürfe und Menschenbilder zerbröckeln vor unseren Augen. Eine vom menschlichen Maß abgehobene Technokratie hat weltweit den Siegeszug angetreten. Technokraten sind hochspezialisiert, auf Geistlosigkeit nämlich, und sie werden uns alles verordnen, was irgendwie machbar ist und Profit verheißt. In einem solchen Environment fällt es uns immer schwerer, unser historisches und mythisches Gedächtnis zu behalten, im eigentlichen Sinn des Wortes Mensch zu bleiben.
Doch selbst der überwachte, verwaltete, von Algorithmen gelenkte und in heillosen Abläufen gefangene Mensch bleibt ein metaphysisches Wesen – rückverbunden durch seine Imagination, seine mythische Erinnerung (Mnemosyne), seine kulturelle Prägung, seine humane Identität. Aus allen Tröstungen der Religionen herausgefallen, bleibt er letztlich doch in seiner Sehnsucht nach einem anderen – sinnhaltigen- Leben geborgen. Darin liegt eine große Hoffnung, denn wir können dieser Sehnsucht Nahrung geben. Ich bin meinem Schicksal dankbar, in jungen Jahren von meiner Spur abgekommen und in das Sperrgebiet gestolpert zu sein. Dort durfte ich mich als ein Streunender ansiedeln. Alles, was mir heute kostbar und bedeutungsvoll erscheint, ist mir auf unbekannten, ziellos begangenen Wegen begegnet.
Krisen haben auch ihr Gutes: Sie zeigen uns, wo es nicht mehr weitergeht. Es sei daran erinnert, dass die frühen Menschen in einem suggestiven Akt des schieren Überlebens ihre Höhlenwände mit Traumbildern von Jagdszenen bemalt haben. Das Ernst-nehmen der eigenen Imagination, diese selbstbewusste Gleichsetzung von Traumbild und Wirklichkeit, dürfte in der Steinzeit auf größere Akzeptanz gestoßen sein als in unserem anthropozentrischen Zeitalter. Wir mögen unsere Vorfahren für „primitiv“ halten, doch sie hatten dank ihrer intuitiven Weltwahrnehmung noch keinen Hang zur Selbstauslöschung, sondern immerhin das, was man eine Zukunft nennt.
Das Museum Humanum ist ein Versuch, die Antworten vieler Kulturen auf die Grundfragen menschlicher Existenz anhand von bedeutungsvermittelnden Artefakten themenbezogen gegenüberzustellen. Wir wollen unseren Besucherinnen und Besuchern ein Spektrum unterschiedlicher Vorstellungswelten vor Augen führen, wie sie es in herkömmlichen Museen nicht antreffen. Erst im geordneten transkulturellen Vergleich wird nämlich sichtbar, wie viel wir Menschen – über alle Kontinente und Epochen hinweg – gemeinsam haben.
Stationen / Werdegang / Herausforderungen
1948 - Peter Coreth wird am 9. Mai 1948 in Linz geboren. Seine Kindheit verbringt er in Waizenkirchen (OÖ).
1968 - Matura am Abteigymnasium Seckau (Steiermark). Begegnung mit den Sammler-Persönlichkeiten Nora Watteck und Hans Muckenhumer.
1968-1969 - Präsenzdienst bei der Panzertruppe des Österreichischen Bundesheeres in Zwölfaxing (NÖ). Gleichzeitig Absolvierung der ersten zwei Semester des Universitätsstudiums. Entdeckung eines frühromanischen Tragaltars beim Schaufeln einer Stellung im Gelände um Zwölfaxing. Jahre später Übergabe dieses Artefakts an das Museum Carolino Augusteum in Salzburg.
1968-1974 - Studium der Politikwissenschaft, Pädagogik und Publizistik an den Universitäten von Salzburg und Nairobi (Kenya). Dissertation über den Demokratiebegriff unabhängiger Staaten Afrikas. Erste Käufe afrikanischer Kunst in Lamu und Mombasa.
1972 - Georg-Trakl-Förderungspreis für Lyrik, Festakt im Trakl-Haus im Beisein von Trakls Schwester. Erscheinen des Lyrik-Zyklus Die Messweinfahnen der Rauschengel mit einem Frontispiz von Paul Flora.
1974 - Gespräch mit dem senegalesischen Staatspräsidenten Leopold Sedar-Senghor über Poesie, den Geist der Kulturen und deren Beitrag zu einer Weltkultur (veröffentlicht als Interview-Serie in den Salzburger Nach-richten). Begegnung mit dem Philosophen Leopold Kohr („small is beautiful“), jahrelange Korrespondenz zum Autarkie-Begriff. Studienabschluss mit ,sehr gutem Erfolg‘ in allen Fächern. Promotion zum Doktor der Philosophie an der Salzburger Universität.
1975 - Förderungspreis der Rauriser Literaturtage für den Roman Arbeitshaft (erschienen 1975). Begegnung mit Walter Kappacher, H.C. Artmann und Wolfgang Hildesheimer, die das Buch promoten. Lesungen im In- und Ausland.
1971-1976 - Redakteur im außenpolitischen Ressort der Salzburger Nachrichten. Danach freier Publizist in London. Streifzüge durch die dortigen Museen. Eröffnung einer Antiquitäten-Koje am Portobello Market. Beginn systematischer Sammeltätigkeit: Erwerb von Kunstwerken und Artefakten, die Aufschluss über das Weltbild ihrer Hersteller geben (Nouophoren). Begegnung mit dem Autor und Alchemisten John Symonds.
1977 - Besuche bei Mirabehn (Madelaine Slade), der Gefährtin und Mitstreiterin von Mahatma Gandhi im Kampf um Indiens Unabhängigkeit. Nach ihrem Tod Übernahme eines Teils ihres Nachlasses, darunter Briefe und Fotos des Mahatma.
1981-1988 - Freie Studien der Kunstgeschichte an der Universität München (Prof. Friedrich Piel). Seminar zum Thema Museologie am Münchner Völkerkundemuseum (Dr. Jean Loup Rousselot). Entwicklung eines Ausstellungskonzepts Tierbild-Götterbild-Menschenbild mit wissenschaftlichem Beistand von Dr. Peter Schienerl, Völkerkundemuseum München.
1989 - Im Bulletin des Kunsthistorischen Instituts in Florenz erscheint ein zehnseitiger Forschungsbericht über den Bozzetto Federico Baroccis zur Kreuzabnahme aus der Sammlung Peter Coreth. Presseagenturen und Zeitungen berichten weltweit über den Barocci-Kunstfund in Österreich (siehe Pressestimmen/Museum).
1991-1992 - Forschungsjahr in Budapest. Gründung der Sarkan Kiralyi Galeria. Kontakte mit Sammlern im ehemaligen Ostblock.
Museum Humanum nimmt Gestalt an
1992 - Ankauf eines verfallenen Gutshofs in Fratres im nördlichen Waldviertel. Beginn jahrelanger Renovierungsarbeiten zur Schaffung räumlicher Voraussetzungen für ein anthropologisches Museum samt Kulturforum.
1993 - Herausgabe des Forschungsberichts Der wiederentdeckte Bozzetto Federico Baroccis zur Kreuzabnahme. - Aufnahme des Gemäldes in das Thieme-Becker (bzw. Saur-) Künstlerverzeichnis. Kooperationsbeitrag zur Erforschung der Koroplastik im östlichen Mittelmeerraum, in Zusammenarbeit mit dem Badischen Landesmuseum Karlsruhe (Dr. Michael Maas) und der Leventis Foundation (Prof. Vassos Karageorghis).
1994- Die Leventis-Foundation in Nikosia veröffentlicht das Buch The Coroplastic Art of Ancient Cyprus, das sich unter anderem mit dem Kouros aus der Sammlung Peter Coreth beschäftigt. Das Magyar Nemzeti Múzeum (Ungarisches Nationalmuseum) in Budapest übernimmt Objekte, die das Land nicht verlassen durften, als Leihgaben. Bearbeitung und posthume Herausgabe des Buches von Botho Coreth: Vom Aufwachsen im Spätherbst – Eine Jugend im alten Österreich (mit einem Nachwort von Leopold Kohr).
1995 - Gründung der Kulturbrücke Fratres, Aufnahme grenzüberschreitender Kulturarbeit. Entwicklung eines inter-disziplinären Veranstaltungsprofils, das Annäherungen aus unterschiedlichen Kunstsparten an jeweils ein Tagesthema vorsieht. Gründung der I.C.A. (International Communication in Art) in der Tschechischen Republik. Die Passauer Venus aus dem Museum Humanum wird erstmals in der Shedhalle in St. Pölten ausgestellt.
1996 - Aufnahme des Veranstaltungsbetriebs. Abschluss von Kooperationsverträgen mit tschechischen Partnerver-einen und Gemeinden.
1997 - Eröffnung des Museum Humanum durch Grimme-Preisträger Manfred Andrae (Berlin). Im Kontext mit den Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst im angrenzenden Galerieraum können Her-kunft und Transformation künstlerischer Codes in einer Zeitbrücke vor Augen geführt werden.
Der tschechische Staatspräsident Václav Havel besucht die Kulturbrücke Fratres und hilft mit Kontakten weiter. Infolge mehrerer TV-Reportagen erlebt das Museum Humanum im Dezember seinen ersten Publikumsansturm.
1998 - Beginn langjähriger Zusammenarbeit mit Dr. Ivan Neumann, dem Direktor des Museums der Moderne in Prag. Vermittlung prominenter tschechischer Künstler, insbesondere aus der legendären Gruppe 12/15 Pozdě, ale přece (12/15 Spät, aber doch) nach Österreich. First Lady Margot Klestil-Löffler wird Ehrenvorsitzende der Kulturbrücke.
1999-2001 - Konzeptarbeit für die Wanderausstellung Verschwundene Lebenswelt, vergessener Alltag – Das 20. Jahrhundert im Spiegel einer mitteleuropäischen Region. Botschaftertreffen in Slavonice und Fratres. Ausstellungseröffnung durch Kardinal Franz König in Fratres. Danach wandert die Ausstellung einige Jahre durch beide Länder.
Das Projekt Berg der Erinnerung, das als erste gemeinsame Gedenkstätte für Opfer politischen Terrors auf beiden Seiten der Grenze gedacht war, scheitert am nachhaltigen Widerstand revanchistischer Kräfte.
2002 - An der Temple University Philadelphia legt der Kunsthistoriker Ian Verstegen eine wissenschaftliche Arbeit vor, die neue Erkenntnisse über ein Exponat aus dem Museum Humanum enthält: The Invention of Light and Colour as Abstract Categories in the Art of Federico Barocci.
Die Grenzen öffnen sich - Tschechien tritt der EU bei
2004 - Anlässlich des EU-Beitritts der Tschechischen Republik lädt die Kulturbrücke zu einem Dinner nach Fratres, an dem unter anderen der US-Botschafter in Prag, Bill Cabanis, sowie Lotte Ingrisch und Milo Dor teilnehmen. Verleihung der Prager Comenius-Medaille für Verdienste um europäische Völkerverständigung. Rede als Vertreter Österreichs beim Jahreskongress der Vereinigung Bildender Künstler Europas in Regensburg. Gastvorträge in Tschechien, Deutschland und Österreich.
In Fratres wird Max Weilers Meister Eckhart Zyklus (kuratiert von seiner Witwe Yvonne Weiler) erstmals in Österreich gezeigt. Die Kulturbrücke Fratres erhält den Würdigungspreis der Republik Österreich. Lotte Ingrisch bezaubert als Laudatorin im Wiener Palais Porcia mit ihrem Text über Fratres.
2005 - Rede in der Minoritenkirche von Krems über Kulturelle Nahversorgung.
2006 - Die Kulturbrücke wird für den Milestone-Preis nominiert und kommt in die Endauswahl.
2007 - Herausgabe der Broschüre Eine Brücke über die Welten – Das Experiment von Fratres. Anerkennungspreis des Landes NÖ in der Sparte Erwachsenenbildung, überreicht von Landeshauptmann Erwin Pröll.
2009 - Herausgabe des Bildbandes Weltbilder im Spiegel der Kunst – Die Sammlung Peter Coreth, mit Beiträgen von Hans Peter Dürr, Kardinal Christoph Schönborn, Johann Figl, Ewald Walterskirchen, Walter Leitner, Andrea Korenjak, Wolfgang Mastnak und anderen. Buchpräsentation im Erzbischöflichen Palais in Wien auf Einladung von Kardinal Schönborn.
2010 - Prix Jeanne de Ferrette (1. Platz im euro-regionalen Kultur- und Geschichtswettbewerb Grenzen fließen). Festakt in St. Blasien (Baden-Württemberg). Gastvortrag an der Universität Mozarteum, Salzburg. Österreichischer Bundesmuseumspreis (Anerkennung) für das Museum Humanum.
2011 - Nominierung des Museum Humanum für den NÖ Innovationspreis (Endauswahl). Vortrag an der Harvard University über das Kulturprojekt Fratres und die Entwicklungstendenzen in Mitteleuropa seit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Mitgliedschaft in den Harvard Art Museums.
2012 - Der Essay Landscape as Commemorative Space – The Tendency to Change at a Central European Border erscheint im Buch Lost Landscapes – Reflections from Central European Border Regions (edited by Prof. Elmar Csaplovics).
2013 - Der ORF strahlt im Sender Ö1 das einstündige Hörbild-Feature "Die Mythenwelt des Peter Coreth" von Mahmoud Lamine und Judith Müller aus.2016 - Verleihung des Österreichischen Museumsgütesiegels an das Museum Humanum.
2018 - Erster Besuch von Prof. Karlheinz Essl im Museum Humanum. Großzügige Einmal-Förderung durch die Stiftung Karlheinz Essl.
2020 - Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für das Lebenswerk, überreicht durch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.
2022 - Die deutsche Wochenzeitung Die Zeit veröffentlicht ein Interview mit Peter Coreth über seinen Kunstfund (archaischer Kouros) in einem Münchner Lampengeschäft.
Die Donation der Krejsa-Sammlung wird eröffnet
2023 - In der Kulturzeitschrift morgen erscheint ein Interview, das der Schriftsteller Thomas Sautner mit Peter Coreth über dessen Beweggründe als Sammler geführt hat. Die Afrika-Sammlung von Peter Krejsa (ehemals Minister im Königreich Bamendjinda, Kamerun) wird als Donation im Museum Humanum mit einem Festakt eröffnet. Unter den Gästen Vorstände des Weltmuseums Wien und zahlreiche Mitglieder der African Community.
2024 - Der ORF-Publikumspreis (Maecenas) geht an die Kulturbrücke Fratres, die das Hörer-Voting mit deutlichem Abstand für sich entscheiden konnte. In den weltmuseum wien news erscheint ein Artikel von John Douglas Marshall über das Museum Humanum. In der Folge reist eine 39-köpfige Delegation des Weltmuseums für eine Museumsführung nach Fratres. John Douglas Marshall (Weltmuseum Wien) wird als Generalsponsor des Museum Humanum gewonnen.
Im führenden tschechischen Wirtschaftsmagazin Euro erscheint eine fünfseitige Reportage des Anthropologen Martin Rychlik über das Museum Humanum.
2025 - Die Direktorin des Kunsthistorischen Museums in Wien, Sabine Haag, besucht in Begleitung von Regisseur und Oscar-Preisträger Michael Haneke und dessen Gattin Susie Haneke das Museum Humanum. Der Afrika-Katalog Maske.Macht.Identität. über die ehemalige Sammlung Dr. Krejsa wird in Fratres vorgestellt.
Der Afrika-Sammler und ehemalige Direktor von Raiffeisen-International, Herbert Stepic, besichtigt das Museum Humanum. Die Kulturbrücke Fratres feiert ihr 30-jähriges Jubiläum mit Erika Pluhar, Vladimir Merta und vielen anderen.
Im Österreich Journal erscheint ein Artikel aus der Feder des Präsidenten der Anthropologischen Gesellschaft Österreichs und Professors an der Universität Wien, Hermann Mückler, über das Museum Humanum.
Aufnahme des Museum Humanum in die internationale Gesellschaft zur Völkerverständigung PaN (Partner aller Nationen).