Streifzüge
durch
Weltbilder
Kunstmotive
im
Kulturvergleich
Die Sammlung Peter Coreth
Die anthropologische Studiensammlung von Dr. Peter Coreth ist das Resultat einer persönlichen, seit den 1960er-Jahren bis heute mit Enthusiasmus betriebenen Sammeltätigkeit. Für deren Präsentation im 1997 eröffneten Museum Humanum hat der Sammler ein neuartiges Konzept entwickelt, das die damals üblichen geografischen und zeitlichen Einteilungen verwirft und einen transkulturellen Vergleich nach Themen und rituellen Zusammenhängen ermöglicht. Die Gemeinsamkeiten in der Motivik und Formensprache der Kulturen rückten ins Blickfeld.
Seither haben Staatsleute, Kardinäle, Wissenschafter, Nobelpreisträger, Oskar-Gewinner und namhafte Künstler aller Sparten das Museum Humanum besucht, das auch als thematischer Bezugsrahmen für eine auf Zukunftsfragen ausgerichtete Kulturarbeit dient: In mehr als hundert Veranstaltungen der Kulturbrücke Fratres wurden Antworten auf elementare Fragen zu Mensch, Kunst und Gesellschaft mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens erarbeitet.
Ihre Beiträge sind in den Büchern Eine Brücke über die Welten - Das Experiment von Fratres sowie Weltbilder im Spiegel der Kunst - Die Sammlung Peter Coreth dokumentiert und unterstreichen den offenen ,Werkstatt-Charakter‘ eines Museums, das neue Wege geht.
Weltbilder im Spiegel der Kunst
Seit den Anfängen der Kunst im Paläolithikum werden ihre Ausdrucksformen von Weltbildern geprägt. Vorstellungen vom Kosmos und seinen Kräften, von Geburt, Tod, Liebe, Macht oder Heldentum haben zu allen Zeiten in Gegenständen Gestalt angenommen. Ob Kunstwerke oder Artefakte - ihre bedeutungsvermittelnden Eigenschaften helfen uns, den über 30.000 Jahre gespannten Bogen künstlerischer Entfaltung zu begreifen: von der magischen Vorstellungswelt der Steinzeitjäger über die von Mythen und Religionen geprägten Kulturphasen bis zur Kunst des anthropozentrischen Zeitalters. Weil Formfragen meist auch Sinnfragen sind, lohnt es sich, den immanenten Botschaften der Bedeutungsträger nachzuspüren. Die Besucher sind eingeladen, die Kulturgeschichte in ihren faszinierenden, oftmals rätselhaften Zusammenhängen zu entdecken und dem ,Geheimnis Kunst‘ einen Schritt näherzutreten.
In der anthropologischen Sammlung Coreth werden wichtige Entwicklungslinien und Verlaufsstrukturen anhand des Leitfadens Tierbild-Götterbild-Menschenbild dargestellt. Die Kunstwerke werden nicht nach gängigen Einteilungen, sondern nach kulturübergreifenden Gemeinsamkeiten ihrer Motive, Formensprachen und rituellen Funktionen präsentiert. Sie treten themenbezogen ins Blickfeld und ermöglichen dadurch eine vergleichende Betrachtung.
Das Museum Humanum ist ein kleiner Schauplatz großer menschlicher Themen, ein erstaunliches Panoptikum. Es macht betroffen, weil in der Zusammenschau nicht nur eine universelle Sehnsucht, sondern auch die Widersprüchlichkeit menschlicher Orientierung und Sinnsuche sichtbar wird. Wer sich auf diesen Streifzug durch Weltbilder einlässt, wird Kunst fortan vielleicht mit anderen Augen betrachten. Womöglich begegnet er auch den Grundfragen seines eigenen Lebens.