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Ist
das Bewußtsein in Wandlung begriffen, verändert sich
auch das Kunstwollen: Ikongraphische Systeme werden gesprengt; religiöse
Sujets überleben in einem neuen, vom Künstler bestimmten
Kontext. Die Idee der Kreativität wird normativ. Der schöpferische
Mensch tritt auf: Er sieht sich nicht mehr als Handwerker oder als
Diener einer kollektiven Idee, Er ist Selbstdarsteller und als solcher
der Subjektivität, Originalität, Innovation verpflichtet.
Mythologische
Motive werden neu gestaltet:
Das Jagd-Sujet verliert in der anthropozentrischen Kunst jeglichen
Anschein der Lebensnotwendigkeit und erhält den Charakter des
Luxuriösen und Sportlichen.
Der "Lebensbaum" mutiert vom kosmischen Ursymbol, das
Himmel und Erde verbindet, zu einem Requisit der Landschaftsmalerei,
manchmal zu einem Monument zwischenmenschlicher Zuneigung.
Die Fortpflanzung als eines der ältesten Bildthemen erfährt
auch im Abendland wieder lustbetonte Interpretationen, die immer
weniger der mythologischen Verbrämung und Allegorie bedürfen.
Göttliche Posen werden für das Menschenbild adaptiert.
Aus dem Urbild der Magna Mater entwickelt sich in einem langen Prozeß
ein profanes Idol. Die Darstellung der "schönen jungen
Frau" braucht keine göttliche Vorlage mehr, sie ist bereits
Hommage.
In traditionellen Gesellschaften hat koloniale Verfremdung das Selbstverständnis
der autochtonen Kulturen schwer erschüttert und das Kunstschaffen
nachhaltig gestört: An die Stelle der traditionellen Stammeskunst
im Dienst des Kults ist keine ähnlich bedeutungsvolle Aufgabe
für künstlerische Talente getreten.
Dagegen erfuhren die Protagonisten der Modernen Kunst in Europa
von der afrikanischen Plastik entscheidende Impulse für ihren
Weg der Abstraktion.
Das Bedeutungsgefüge - die eigentliche kulturelle Errungenschaft
- wird heute durch das Individuum Mensch repräsentiert. Seine
Selbstilisierung ist ein permanenter Akt zur Behauptung seines Charakters
gegen Kräfte der Vereinnahmung.
"Kultur haben heißt, sich seine Aufgaben selber vorzugeben;
Stil hat, wer dabei keine Kompromisse eingeht." (Bazon Brock)
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