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Die
Aufklärung bringt ein neues Weltverständnis, wobei Sinnfragen
von der Frage nach Zweckmäßigkeit überlagert werden.
In den säkularisierten Gesellschaften verlieren die Religionen
ihre Verbindlichkeit und geraten unter Erklärungszwang. Rasante
kulturelle Mischungsprozesse führen fast überall zu einer
Weltbilddifferenzierung. Die Umwertungen betreffen auch die Kunst
und ihre Funktion: Kunst ist nicht mehr Beschwörung, Verherrlichung,
Andachtshilfe, Repräsentationsmittel, sondern Bereicherung
und Verzierung des Lebens, Unterhaltung, Experiment, Geschäft.
Hauptanliegen
künstlerischen Gestaltens ist der Mensch. Das Tierbild verblaßt
in seiner Bedeutung. Wo es nicht überwunden werden kann, sinkt
das Tier auf die Ebene der Volksfrömmigkeit hinab. In den Industriegesellschaften
dienen Tierbilder als Ausdrucksmittel in Wissenschaft, Politik und
Werbung, wobei alte Symbolgehalte zu Klischees verflachen. Der einstige
Tierstil geht in der Angewandten Kunst auf und verkommt zum kraftlosen
Ornament. Die von Tieren getragene Bildergeschichte aus mythischen
Zeiten lebt als Kindermärchen wieder auf und begründet
ein neues Unterhaltungssujet: den Comic. - Das Tier, das in einem
großen evolutionären Bogen Gottheit, Mittler, Attribut
und Symbol war, ist endgültig domestiziert und zur menschlichen
Chiffre geworden.
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