TIERBILD - GÖTTERBILD - MENSCHENBILD lautet der Leitfaden dieser Dauerausstellung, die sich von starren musealen Gefügen abheben möchte.

Hier repräsentieren die Exponate nicht, wie üblich, die Kulturkreise, denen sie entstammen, sondern werden in gewagter, aber schlüssiger Anordnung als Beispiele zur Evolution der Kunst vor Augen geführt.

Eine weit ausführlichere Auswahl der im Museum Humanum präsentierten Exponate finden Sie, wenn Sie einen STREIFZUG DURCH WELTBILDER wagen ...

ARCHETYPISCHE BILDMOTIVE IM KULTURVERGLEICH: FRAUEN-IDOLE
Das Frauen-Idol zählt zu den ältesten Bildmotiven. Das Auftreten der "Venusstatuetten" im Jungpaläolithikum ist mit magischen Fruchtbarkeitskulten verbunden. In späteren Phasen erscheint die Frau als Magna Mater, als Herrin der Tiere, als Patronin der Jagd und der Feldfruchtbarkeit. Sie mutiert zur Göttin, wird Bäumen und Wäldern, Quellen, Flüssen und Gestirnen zugeordnet, wird zum Meerstern, zur Himmelskönigin, zur Beschützerin von Städten, zur Liebes- und Todesgöttin etc. - In der anthropozentrischen Lebenswelt ist das Frauenbild ein selbständiger Bedeutungsträger und gilt als beliebtestes Kunstmotiv.

ARCHETYPISCHE BILDMOTIVE IM KULTURVERGLEICH: FRAU MIT KIND
Die Darstellung der Frau mit Kind erscheint in den frühen Hochkulturen und wird zu einem zentralen Thema bildnerischen Gestaltens. Als Urmutter, Magna Mater, Amme, Mutter der Barmherzigkeit, Gottesgebärerin etc. erfährt das Bildmotiv zahlreiche Abwandlungen bis hin zum profanisierten Symbol mütterlicher Liebe und Fürsorglichkeit.

TRANSFORMATIONEN DES MENSCHENBILDES IM KULTURVERGLEICH
Über die Funktion der frühesten männlichen Idole in magischen Kulten ist vergleichsweise wenig bekannt. In späteren Phasen entstehen männliche Prototypen, die zumeist kämpferische Tugenden repräsentieren oder Rangordnungen in einem Machtgefüge zum Ausdruck bringen. Kate Reynolds hat zu Recht darauf hingewiesen, daß frühe Menschenbilder im Sinne geistiger Repräsentanz (Porträts) zumeist männlich konnotiert sind, während wir Frauenbilder in der Regel als Körperdarstellungen kennen, die auf die archetypische biologische Funktion abstellen, nicht aber auf weibliche Intelligenz und Individualität, wie sie uns später in der römischen Porträtkunst entgegentritt.
TIERBILDER IM KULTURVERGLEICH: PROTOTYPEN, FUNKTIONEN UND STILE
Dem Tierbild kommt von jeher überragende Bedeutung zu. In archaischen Zeiten verkörpert das Tier die wissende Macht, gilt als Mittler zu Geistern und Göttern, später als Gottheit oder Begleittier von Gottheiten, als Attribut und Emblem. Es wird als Kulturbringer verehrt, als Totem, Beschützer und Seelenführer angerufen, dient als Ofertier und erfährt in zahlreichen Mythen als Fabeltier phantastische Veränderungen und Kreuzungen. Immer finden wir das Tier in der kosmischen Weltordnung untrennbar mit dem Menschen verbunden. In aufgeklärten Gesellschaften dominiert das Menschenbild. Das Tier-Sujet überlebt als Dekor, die alte Tier-Symbolik findet als menschliche Chiffre in der Werbung ein neues Anwendungsfeld.
IKONOGRAPHISCHE TOPOI IM KULTURVERGLEICH: DER NIMBUS
In der Zeichensprache vieler Kulturen und Religionen wird das Haupt von Gottheiten oder erleuchteten Personen mit einem Nimbus ausgestattet. Ob als Sonnenfibel, Strahlenmandorla, Flammenkranz oder Heiligenschein - immer dient der Nimbus zur Hervorhebung einer mythologischen oder religiösen Zentralfigur und verleiht dieser sichtbare Bedeutung, Erhabenheit und Würde. Er ist somit ein kulturübergreifendes Phänomen und Element einer gemeinsamen Formensprache des Sakralen.

 

MYTHOLOGISCHE TOPOI IM KULTURVERGLEICH: DAS ATLAS-MOTIV
In der griechischen Mythologie wurde Atlas, der die Welt auf seinen Schultern trägt, zum Vorbild des autonomen Menschen, der sein Schicksal in die eigenen Hände und somit das schier Untragbare auf sich nimmt. Durch kulturelle Diffusionsprozesse fand dieses Atlas-Motiv Eingang in die Kunst Zentralasiens und des fernen Ostens, wobei die Träger-Symbolik in jedem neuen Kontext eine veränderte, kulturspezifische Ausprägung erhielt. Auch heute werden mythologische Topoi vom Künstler aufgegriffen, nun aber in freier Form gestaltet, die oft auch ein Moment der Ironisierung einschließt.
"PATHOSFORMELN" ALS UNIVERSELLE AUSDRUCKSGEBÄRDEN DER KUNST:
Der Sammler und Privatgelehrte Aby Warburg schuf zu Beginn des 2O.Jhs. den Mnemosyne-Atlas: ein ebenso bahnbrechendes wie umstrittenes Kompendium der Gebärdensprache in der abendländischen Kunst. - Angeregt durch die Studien von Warburg, C.G. Jung, Eliade und Campbell, arbeitet die Museums-Werkstatt der Sammlung Coreth experimentell an einer Erweiterung der Warburg´schen Konzeption, indem sie auch Kunstwerke außereuropäischer Kulturen einbezieht. Zielvorstellung des themenbezogenen Vergleichs ist der Entwurf eines universellen Kanons künstlerischer Ausdrucksgebärden unter Berücksichtigung der Bedeutungsunterschiede in den formalen Analogien.