1. Arkade:
ÜBERLEBEN
Die erste Arkade thematisiert die Versuche des präzivilisatorischen Menschen, auf seine unwirtliche, feindliche Umwelt einzuwirken: Wo technische Mittel nicht ausreichen, dient die Magie als Verstärkung. Sie soll Fruchtbarkeit, Jagdglück, Geisterabwehr, Traumbewältigung und Ähnliches sicherstellen. Etliche Beispiele fokussieren das bäuerliche Universum, das mit der ,Neolithischen Revolution‘ entstand und nach zehntausendjähriger Kontinuität heute weltweit untergeht. Der Formenkreis dieser Bauernkulturen ist wegen seiner Vielschichtigkeit äußerst ergiebig. Die Sammlung präsentiert archaische Objekte neben solchen rezenter Naturvölker.
2. Arkade:
GÖTTERWELTEN
Die zweite Arkade führt Grundmuster religiöser Orientierung vor. Skizziert wird die mythische Matrix früher Hochkulturen und großer Glaubenssysteme: Götterbilder unterschiedlicher Herkunft sind in Beziehung zueinander gesetzt und offenbaren phänomenale Analogien und ikonografische Zusammenhänge. Ein Schwerpunkt ist dem Bildnis des Buddha als wichtigem Durchbruch zum Menschenbild gewidmet. Wenn die Beispiele aus dem buddhistischen Formenkreis überwiegen, hat dies noch einen zweiten Grund: die Bedeutung seiner Repertoires für die Kunstentwicklung Asiens und Europas. Eine weitere Akzentuierung gilt dem Tierbild als Bedeutungsträger in Mythos und Religion.
3. Arkade:
BEDEUTUNGSTRANSFER
Die dritte Arkade rückt die sinnstiftenden Botschaften religiöser Kunst ins Blickfeld und zeigt, auf welchen Ebenen der Bedeutungstransfer erfolgt: Schrift, Gleichnis, sakrale Performance lauten nur einige Stichworte. Das alte magische Element erscheint hier bereits theologisch überbaut, dogmatisiert und in Mystik verwandelt. Die ,Natursichtigkeit‘ ist verschwunden, deswegen muss veranschaulicht und gelehrt werden. Die Exponate entstammen liturgischen Zusammenhängen oder dienen der Glaubensverbreitung. Auch Nebenfiguren wie Adoranten, Mönche, Bodhisattvas, Usebtis treten ins Bild und machen die Enttabuisierung der Menschendarstellung bewusst. Den Fokus bilden zoomorphe Ritualgefäße, von denen manche bereits eine aufgeklärte Auffassung verraten und den Siegeszug der dekorativen Künste ankündigen.
4. Arkade:
MACHT UND ABWEHR
Die vierte Arkade thematisiert den Machtanspruch als religiöse und weltliche Anmaßung. Eroberung und Feindabwehr als kollektive oder individuelle Anstrengung haben neben roher Gewalt auch eine spirituelle Komponente. Ferner wird gezeigt, wie sich Eliten zur Legitimation ihrer Herrschaft religiöser Symbole bedienen und welche Umformungen die künstlerischen Codes dadurch erfahren. Im Spannungsfeld zwischen Abwehr und Repräsentation befindet sich auch der Schwerpunkt Amulett- und Schmuckwesen, wobei die Gewichtung zugunsten von islamischem Volks- und Nomadenschmuck in dessen apotropäischem Charakter begründet liegt.
5. Arkade:
ANTHROPOZENTRIK
Die fünfte Arkade verdeutlicht die tiefgreifende Profanisierung, die seit Beginn der Anthropozentrik unsere Lebenswelt und damit auch die Formensprache der Kunst erfasst hat. Die großen Bedeutungsgefüge geraten unter rationalen Erklärungszwang und bröckeln, während ihre künstlerischen Chiffren die allgemeine Verbindlichkeit einbüßen. Künstler mutieren von abhängigen Dienern der Idee zu Selbstdarstellern. Mythologische Stoffe werden frei gestaltet, traditionelle Bildmotive dekonstruiert, göttliche Posen für das Menschenbild adaptiert. Das Tierbild verblasst in seiner Bedeutung und findet in Kunstgewerbe und Kitsch ein neues Genre. Das Kunstwerk wandelt sich zum selbstständigen Bedeutungsträger und verliert dabei oft an Lesbarkeit und stilbildender Kraft. Der Markt wird zum Parameter der Kunstproduktion.