Die fünf Arkaden 

des Museums

1. Arkade: 

ÜBERLEBEN

Die erste Arkade thematisiert die Ver­su­­che des prä­zi­vi­li­­sa­to­­­ri­schen Menschen, auf seine un­wirtliche, feind­liche Umwelt ein­­zu­­wirken: Wo tech­­­ni­sche Mittel nicht aus­­reichen, dient die Ma­gie als Verstärkung. Sie soll Frucht­bar­keit, Jagd­­glück, Geister­ab­wehr, Traum­­­be­wäl­ti­gung und Ähn­­liches sicher­­­stel­len. Etli­che Bei­­spie­­le fo­kus­sie­ren das bäu­­er­liche Uni­ver­sum, das mit der ,Neo­­li­thi­schen Re­vo­lu­tion‘ entstand und nach zehn­­­tau­send­­jäh­riger Kon­ti­nu­i­tät heu­te weltweit untergeht. Der For­men­­kreis dieser Bau­­ern­­­kultu­ren ist we­­gen seiner Viel­schich­tig­keit äußerst ergiebig. Die Samm­lung prä­sen­­tiert ar­­­chaische Ob­jekte ne­ben solchen re­zen­­­ter Natur­völker.

Arkade 1 - links überleben - rechts überleben

2. Arkade: 

GÖTTERWELTEN

Die zweite Arkade führt Grundmuster reli­gi­öser Orien­tierung vor. Skizziert wird die my­thische Matrix früher Hochkulturen und großer Glaubens­systeme: Götter­bilder unter­schied­­licher Herkunft sind in Beziehung zueinander gesetzt und offen­ba­ren phä­­nomenale Ana­logien und ikono­gra­fi­sche Zusam­men­hän­­ge. Ein Schwer­punkt ist dem Bildnis des Buddha als wichtigem Durchbruch zum Men­schenbild ge­wid­­­met. Wenn die Beispie­le aus dem buddhis­tischen For­men­kreis über­­wie­gen, hat dies noch einen zwei­ten Grund: die Be­deu­tung seiner Re­per­­­­toires für die Kunst­­­entwicklung Asi­ens und Europas. Eine weitere Ak­zen­tuie­rung gilt dem Tierbild als Bedeutungsträger in Mythos und Religion.

3. Arkade: 

BEDEUTUNGSTRANSFER

Die dritte Arkade rückt die sinnstiftenden Botschaften religiöser Kunst ins Blickfeld und zeigt, auf welchen Ebenen der Bedeutungstransfer erfolgt: Schrift, Gleichnis, sakrale Performance lauten nur einige Stichworte. Das alte magische Element erscheint hier bereits theologisch überbaut, dogmatisiert und in Mystik verwandelt. Die ,Natursichtigkeit‘ ist verschwunden, deswegen muss veranschaulicht und gelehrt werden. Die Exponate entstammen liturgischen Zusammenhängen oder dienen der Glaubensverbreitung. Auch Nebenfiguren wie Adoranten, Mönche, Bodhisattvas, Usebtis treten ins Bild und machen die Enttabuisierung der Menschendarstellung bewusst. Den Fokus bilden zoomorphe Ritualgefäße, von denen manche bereits eine aufgeklärte Auffassung verraten und den Siegeszug der dekorativen Künste ankündigen.

4. Arkade: 

MACHT UND ABWEHR

Die vierte Arkade thematisiert den Machtanspruch als religiöse und welt­liche Anmaßung. Eroberung und Feind­abwehr als kollektive oder individuelle An­stren­gung haben neben roher Gewalt auch eine spirituelle Komponente. Ferner wird gezeigt, wie sich Eliten zur Legi­timation ihrer Herrschaft reli­giöser Symbole bedienen und welche Umfor­mun­gen die künst­lerischen Codes dadurch er­fahren. Im Span­nungsfeld zwischen Abwehr und Repräsen­ta­tion befindet sich auch der Schwerpunkt Amu­­­lett- und Schmuck­­wesen, wo­bei die Gewich­tung zugunsten von islamischem Volks- und Nomaden­schmuck in dessen apo­tro­päi­schem Cha­rak­ter begründet liegt. 

5. Arkade: 

ANTHROPOZENTRIK

Die fünfte Arkade verdeutlicht die tiefgreifende Profanisierung, die seit Beginn der Anthro­pozentrik unsere Lebenswelt und damit auch die Formensprache der Kunst erfasst hat. Die großen Bedeutungsgefüge geraten unter rationalen Erklärungszwang und bröckeln, während ihre küns­t­lerischen Chiff­ren die allgemeine Ver­bind­lichkeit einbüßen. Künstler mutieren von abhängigen Dienern der Idee zu Selbstdarstellern. Mythologische Stoffe wer­den frei gestaltet, traditionel­le Bild­mo­tive dekon­struiert, göttliche Posen für das Menschenbild adaptiert. Das Tier­bild ver­blasst in seiner Bedeutung und findet in Kunstgewerbe und Kitsch ein neues Genre. Das Kunstwerk wan­delt sich zum selbststän­digen Bedeutungsträ­ger und verliert da­bei oft an Les­bar­keit und stilbilden­der Kraft. Der Markt wird zum Para­meter der Kunst­produktion. 

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